Glattburg: Adieu, liebe Schwestern, und hoffentlich auf Wiedersehen in Seedorf!
Das Kloster Glattburg erlebte ich zum ersten Mal als Neupriester.
Die damalige Äbtissin Bernarda Meile, lud mich ein, beim Titularfest des Bundes der Ewigen Anbetung die Festpredigt zu halten. Unerfahren, wie ich war, stellte ich mir vor, dass ich die Konvent-Schwestern und ein paar fromme Mitchristen vor mir haben würde. Wie aber staunte ich, als ich eine halbe Stunde vor Beginn ankam: Da war kein freier Parkplatz mehr zu finden. Und die Abteikirche konnte die Gläubigen nicht fassen, die herbei geströmt waren; ganze Trauben von Menschen mussten vor der Tür stehen bleiben und so das heilige Geschehen mitzuverfolgen suchen. Das war beeindruckend.
Es zeigte mir: Viele Menschen aus Oberbüren und dem weiten Umland waren froh, diesem Bund als Mitglieder anzugehören, für welche die benediktinischen Beterinnen rund um die Uhr vor dem Allerheiligsten Fürsprache einlegten in allen Sorgen, die Menschen treffen und bewegen können. Damit entstand so etwas wie eine geistliche Familie. Und einmal im Jahr, eben am Titularfest, traf man sich und feierte diese schöne Gemeinschaft im Glauben.
Mit der Zeit wurden die Schwestern weniger – und waren auf Helfer angewiesen, um den Dienst vor dem Altar während der 24 Stunden eines Tages gewährleisten zu können, was einige Jahre gelang, bis schließlich auch die Zahl der Mitbeter so zurückging, dass man das Ideal einer lückenlosen Verherrlichung des Eucharistischen Herrn aufgeben musste.
Nun ziehen Äbtissin Ancilla Zahner und ihre Mitschwestern von der Glattburg weg in den Benediktinerinnen-Konvent von Seedorf, wo sie von Herzen willkommen und aufgenommen sind. Und wir Gläubigen von Oberbüren und Umgebung? Wir schauen dankbar zurück auf so viel geistliches Leben, das sie mit uns geteilt haben: seit 1781 hüteten die Nonnen die religiöse Flamme der Anbetung, beherbergten Gäste, betrieben eine Hostienbäckerei (in welcher sie auch Generationen von Erstkommunionkindern in das Geheimnis der Herstellung von Hostien einweihten), führten bis in die späten Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts eine Koch- und Handarbeitsschule, boten in einem Laden religiöse Gegenstände und Klosterleckereien zum Kaufe an, öffneten ihre einzig schöne Kirche für Wander- und Pilgergruppen zu stiller Einkehr und zu Maiandachten und hatten ein wohlwollendes Ohr für die Anliegen der Menschen.
Die Schwestern nehmen ihre Hostienbäckerei-Anlage und den Klosterladen mit nach Seedorf. Hier unter uns aber lassen sie zurück den durch ihre Gebete geweihten Ort auf dem St. Gallenberg und eine Fülle eindrücklicher Erinnerungen in unseren Herzen.
Liebe Schwestern: Unsere Dankbarkeit und unsere Sympathie für Ihr Lebenszeugnis ziehen mit Ihnen. Kommen Sie gut an am neuen Ort; möge er Ihnen bald eine echte Heimat werden. Auf Wiedersehen – und: Gott befohlen!
P. Dr. Markus Schulze SAC